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Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg
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Als Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg (bzw. Zweiten Sino-Japanischen Krieg)cite-ref-1[1] bezeichnet man den umfassenden Krieg der Japaner in China, der am 7. Juli 1937 begann und bis zum 9. September 1945 dauerte. Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941, Kriegseintritt der USA, war er ein Schauplatz des Pazifikkrieges und damit Teil des Zweiten Weltkrieges.

In der Volksrepublik China und der Republik China ist „Antijapanischer Krieg“ (chinesisch 抗旄戰爭 / 抗旄战äș‰, Pinyin kĂ ngrĂŹ zhĂ nzhēng – „Widerstandskrieg gegen Japan“) die offizielle Bezeichnung des Krieges. Diese Bezeichnung wird aber auch in anderen sĂŒdostasiatischen LĂ€ndern fĂŒr den eigenen Widerstand gegen die japanische Besatzung verwendet. In China wird der Krieg auch schlicht als „Krieg des Widerstands“ bzw. „Widerstandskrieg“ (抗戰 / 抗战, kĂ ngzhĂ n) bezeichnet.

In Japan ist der Krieg als Japanisch-Chinesischer Krieg (jap. 旄䞭戊äș‰, NicchĆ« Sensƍ) oder auch als HEI, Operation C oder Invasion in China bekannt. In der westlichen Welt ist auch die Bezeichnung Zweiter Sino-Japanischer Krieg verbreitet.

Contents

‱ Verlauf
‱ Literatur
‱ Siehe auch
‱ Weblinks

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Hintergrund

Politische Vorgeschichte

Nach dem Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg von 1894 bis 1895 annektierte das Kaiserreich Japan Taiwan. Im Vertrag von Shimonoseki vermittelten die europĂ€ischen MĂ€chte den Frieden zwischen dem Kaiserreich China und dem Kaiserreich Japan. Obwohl Japan gehofft hatte, in der Mandschurei stĂ€rkeren Einfluss zu gewinnen, setzte sich das Russische Reich durch und erhielt die Konzession fĂŒr die Mandschurische Eisenbahn sowie Port Arthur als Pachthafen. Japans Interesse fĂŒr die rohstoffreiche Mandschurei stand russischen Interessen entgegen, und so kam es 1904 zum Russisch-Japanischen Krieg, den Japan fĂŒr sich entscheiden konnte. Russland musste die Mandschurei aufgeben, und Japan baute die SĂŒdmandschurische Eisenbahn, die von der Kwantung-Armee beschĂŒtzt wurde und Rohstoffe nach Korea transportieren sollte. Korea wurde 1905 japanisches Protektorat und 1910 annektiert.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 hatte auch Japan schwer in Mitleidenschaft gezogen. Eine Lösung fĂŒr die Wirtschaftskrise sahen viele Politiker und MilitĂ€rs in einer Intensivierung der kolonialen Bestrebungen. Diese richteten sich vor allem gegen die Mandschurei.

Um einen Vorwand fĂŒr den Einmarsch in die Mandschurei zu schaffen, sprengten Agenten der Kwantung-Armee (Doihara Kenji, Amakasu Masahiko) am 18. September 1931 bei der Stadt Mukden die Strecke der SĂŒdmandschurischen Eisenbahn. Das japanische MilitĂ€r machte daraufhin China fĂŒr die BeschĂ€digung der Eisenbahnstrecke verantwortlich. Nach diesem sogenannten Mukden-Zwischenfall wurde die Mandschurei durch die japanische Armee besetzt. Koordinierte Gegenwehr von Seiten der Chinesen gab es nicht, da sich das Land mitten im Chinesischen BĂŒrgerkrieg zwischen Kuomintang und Kommunisten befand. Einzelne chinesische Warlords leisteten den Japanern erfolglos Widerstand. Japan errichtete den Marionettenstaat Mandschukuo, um die besetzten Gebiete zu verwalten. Japanische Armee und Flotte unterstanden direkt dem Kaiser, hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend der Kontrolle durch das Parlament und die Regierung entzogen und gingen in China auf eigene Faust vor. Nach dem Erfolg in der Mandschurei konnte das MilitĂ€r diese Politik im Nachhinein rechtfertigen und gewann so immer stĂ€rkeren Einfluss auf die japanische Politik.

China wehrte sich mit einem Handelsboykott gegen Japan und weigerte sich, die Fracht japanischer Schiffe zu löschen. Dies hatte zur Folge, dass die japanischen Exporte auf ein Sechstel zurĂŒckgingen. Dies heizte die Stimmung in Japan an. Vor allem ein Zwischenfall, bei dem 1932 in Shanghai fĂŒnf japanische Mönche misshandelt wurden (ein Mönch erlag spĂ€ter seinen Verletzungen), wurde von den japanischen Medien aufgegriffen und schĂŒrte den Zorn in der japanischen Bevölkerung. Am 29. Januar bombardierte Japan daraufhin China und es kam zur ersten Schlacht um Shanghai, wo es zum ersten FlĂ€chenbombardement gegen eine Zivilbevölkerung kam. SchĂ€tzungen sprechen von etwa 18.000 getöteten Chinesen und 240.000 Obdachlosen. China sah sich gezwungen, den Handelsboykott aufzuheben. Um Shanghai wurde eine demilitarisierte Zone errichtet. Im Mai 1932 vereinbarten die beiden Parteien einen Waffenstillstand, doch die Japaner setzten ihren Vormarsch fort. 1933 wurden die Provinzen Rehe und Chahar besetzt, 1935 musste China einer Pufferzone zwischen Mandschukuo und Peking zustimmen, in der die Japaner den aus kollaborierenden chinesischen MilitĂ€rs bestehenden Autonomen MilitĂ€rrat von Ost-Hopei (Hebei) einsetzten. 1936 wurden Teile der Inneren Mongolei besetzt.

Als der Völkerbund gegen das japanische Vorgehen protestierte, trat Japan aus dem Völkerbund aus. Erstmals zeigte sich hier, dass der Völkerbund keine Mittel hatte, um bewaffnete Konflikte zu beenden oder zu verhindern.

1936 unterzeichneten Japan und das Deutsche Reich den Antikominternpakt, der sich gegen die kommunistische Internationale (Komintern) richtete. Dieser Pakt hatte vor allem symbolische Bedeutung. 1937 traten Italien und wÀhrend des Zweiten Weltkriegs weitere europÀische Staaten dem Pakt bei.

Es kam immer wieder zu Übergriffen der Japaner auf die chinesische Zivilbevölkerung. Die Chinesen erwarteten ein Einschreiten von Generalissimus Chiang Kai-shek. Er konzentrierte sich aber auf den Kampf gegen die Kommunisten und ließ die Japaner vorerst gewĂ€hren, um seine Truppen zu schonen. Seine Motive sind unter den Historikern umstritten. Einige vermuteten, er habe die japanische Armee gefĂŒrchtet, andere verdĂ€chtigten ihn der Kollaboration mit den Japanern. Andererseits sah er die Kommunisten als die grĂ¶ĂŸere Gefahr im Kampf um China an. Erst als er von seinen eigenen Kommandeuren Zhang Xueliang und Yang Hucheng entfĂŒhrt wurde (Zwischenfall von Xi’an), gab er der Forderung nach und unterzeichnete ein Waffenstillstandsabkommen mit den Kommunisten. Daraufhin bildete sich die zweite Einheitsfront der Nationalisten und Kommunisten; diesmal gegen die Japaner.

MilitÀrische KrÀfteverhÀltnisse und Planungen

Teile der FĂŒhrung der chinesischen Nationalbewegung waren seit den 20er-Jahren ĂŒberzeugt, dass ein Krieg gegen Japan in China aufgrund der divergierenden Interessenlagen der beiden Regierungen unvermeidlich sei. Der aggressiven Landnahmepolitik der Japaner in Nordchina begegnete Chiang Kai-shek mit Appeasement, um den eigenen Staat und das MilitĂ€r zu konsolidieren. Chiang trieb mit Hilfe der deutschen MilitĂ€rmission in China ab 1933 die Modernisierung der Guomindang-StreitkrĂ€fte voran. Ein vom Chef der deutschen MilitĂ€rmission Hans von Seeckt 1935 vorgelegter Plan sah den Aufbau einer modernen, mobilen und einheitlichen Guomindang-Armee vor, die rund 60 Divisionen umfassen sollte und bis 1938 abgeschlossen sein sollte. Vor Kriegsbeginn hatten die Nationalisten rund 19 Divisionen mit rund 300.000 Soldaten, die gemĂ€ĂŸ den Vorgaben der MilitĂ€rmission ausgebildet wurden. DarĂŒber hinaus sah der Plan eine Verschlankung und zahlenmĂ€ĂŸige Verkleinerung der Divisionen vor, um mehr Mittel fĂŒr AusrĂŒstung und Modernisierung freizusetzen. Von diesen reformierten Divisionen wurden vor dem Krieg zehn aufgestellt. Aufgrund der mangelnden industriellen Basis wurde auf Motorisierung und Mechanisierung verzichtet. In ganz China gab es 1937 nur rund 3000 militĂ€risch genutzte Kraftfahrzeuge.cite-ref-changjui-te20118391103f-2-0[2] Die LuftstreitkrĂ€fte der Republik China umfassten bei Kriegsbeginn rund 300 Flugzeuge.cite-ref-mitsuru2011239-3-0[3]

1935 formulierte Chiang eine nationale Verteidigungsstrategie gegen Japan. Angesichts der militĂ€rischen SchwĂ€che, aber der grĂ¶ĂŸeren FlĂ€che, Ressourcenreichtums und Bevölkerungszahl Chinas avisierte Chiang einen defensiven Abnutzungskrieg, der sich vor allem in Nordchina und den KĂŒstengebieten des Landes abspielen werde. HierfĂŒr versuchte die Guomindangarmee, im chinesischen Hinterland die nötige Infrastruktur fĂŒr den Unterhalt zu schaffen. BezĂŒglich der Munitionsproduktion von Infanteriewaffen besaß China eine ausreichende einheimische Produktion. An ArtilleriegeschĂŒtzen und schweren Waffen herrschte ein deutlicher Produktionsmangel. Die daraus resultierende AbhĂ€ngigkeit von auslĂ€ndischen Wehrmitteln, die von verschiedenen Nationen bezogen wurden, sorgten hier fĂŒr sehr große logistische Probleme. Einheimisch produzierte Modelle wie z. B. GebirgsgeschĂŒtze waren von minderer QualitĂ€t und Leistung, was deren taktische Verwendung deutlich einschrĂ€nkte. Ebenso war die einheimische Waffenproduktion nicht standardisiert, was wiederum die logistischen Probleme vervielfachte. Der chinesische Staat gab 1937 mit 65 % die Mehrheit seines Staatshaushaltes fĂŒr das MilitĂ€r aus. Die Umsetzung des AufrĂŒstungsplans erfolgte aufgrund finanzieller Probleme, politischer InstabilitĂ€t und mangelnder industrieller KapazitĂ€ten im Land nur unvollstĂ€ndig. Insbesondere die moderne Ausbildung und BeĂŒbung der Truppen konnte nur zu einem Bruchteil umgesetzt werden.cite-ref-changjui-te20118391103f-2-1[2]

Das japanische Heer umfasste 1937 in der FriedensstĂ€rke rund 247.000 Soldaten und Offiziere, gegliedert in 17 Divisionen. Hinzu kamen vier unabhĂ€ngige Panzerregimenter. Eine Vollmotorisierung und Mechanisierung der Truppe war aufgrund der mangelnden industriellen Basis nicht möglich.cite-ref-drea2011105119-4-0[4] Der Großteil der Transport- und Logistikaufgaben erfolgte durch Lasttiere und Schienenverkehr. Jedoch verfĂŒgte jede Division ĂŒber eine motorisierte Gruppe mit rund 200 bis 300 Automobilen und rund fĂŒnfzig leicht gepanzerten MilitĂ€rfahrzeugen.cite-ref-changjui-te20118391103f-2-2[2] Die japanische Heeresluftwaffe verfĂŒgte ĂŒber 520 kampfbereite Flugzeuge und weitere 500 in Reserve. Die Marineluftwaffe verfĂŒgte ĂŒber 600 Flugzeuge in land- und trĂ€gergestĂŒtzten VerbĂ€nden. Die Flotte besaß vier FlugzeugtrĂ€ger, einer befand sich zu Kriegsbeginn in Reparatur, sowie ĂŒber zwei Flugzeugmutterschiffe.cite-ref-mitsuru2011239-3-1[3]

In einem 1932 formulierten Kriegsplan formulierte der japanische Generalstab mehrere BedarfsplĂ€ne fĂŒr KonfliktfĂ€lle in China. FĂŒr die Niederschlagung von örtlich begrenzten KĂ€mpfen in Nordchina wurden zwei zusĂ€tzliche Divisionen vom Festland eingeplant. Die Sicherung des Zugangs von See nach Peking wurde der Garnisonsarmee China zugedacht, welche mit 1.700 Soldaten in Tianjin stationiert war. Um diese Aufgabe zu erfĂŒllen, sollte sie um eine Division verstĂ€rkt werden. Der Kriegsplan fĂŒr den als unwahrscheinlich wahrgenommenen Fall einer ernsthaften militĂ€rischen Konfrontation mit China umfasste den Einsatz der in der Mandschurei stehenden Kwantung-Armee, die in Nordchina verstĂ€rkt durch zehn Divisionen vom Festland operieren sollte. Zwei weitere Divisionen waren vorgesehen, strategisch wichtige Punkte an der KĂŒste Zentralchinas zu besetzen. Der Plan wurde 1937 um das Ziel erweitert, die fĂŒnf nördlichsten Provinzen Chinas zu besetzen. Die Truppen zur Besetzung einzelner Punkte Zentralchinas wurden auf drei Divisionen aufgestockt und sollten Schanghai erobern, um von dort auf die Hauptstadt der Guomindang, Nanjing, vorzugehen.cite-ref-drea2011105119-4-1[4]

Verlauf

Am 7. Juli 1937 kam es zum Zwischenfall an der Marco-Polo-BrĂŒcke, bei dem sich japanische und chinesische Soldaten Feuergefechte lieferten. Ob dieser Vorfall von Japan provoziert wurde, ist umstritten. Mit diesem Vorfall begann der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg. Die Japaner rechneten mit einem schnellen Sieg, doch die zweite Schlacht um Shanghai dauerte unerwartet lange und forderte zahlreiche Opfer. Etwa 200.000 japanische und eine unbekannte Zahl chinesischer Soldaten waren dabei in einen erbitterten HĂ€userkampf verwickelt. Die Verluste waren auf beiden Seiten sehr hoch, auf Seiten der Kuomintang werden sie auf etwa ein Drittel der kampffĂ€higen Soldaten geschĂ€tzt. Japan konnte die Schlacht erst Mitte November fĂŒr sich entscheiden, als die japanische 10. Armee in der Hangzhou-Bucht landete und die chinesischen Truppen einzukesseln drohte.

Am 5. November 1937 unterbreitete die japanische Regierung der chinesischen Regierung das Angebot, den Zwischenfall beizulegen, wenn sich China in Zukunft an die drei vom japanischen Außenminister Hirota Kƍki 1934 formulierten Prinzipien hielte. Die Prinzipien waren: 1. UnterdrĂŒckung aller antijapanischen AktivitĂ€ten, 2. Anerkennung Mandschukuos und eine freundliche Beziehung zwischen Mandschukuo, China und Japan, 3. Gemeinsamer Kampf gegen den Kommunismus. Die Kuomintang weigerte sich zunĂ€chst, in Verhandlungen einzutreten und Ă€nderte diese Haltung erst am 2. Dezember. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Japaner Shanghai jedoch bereits erobert und die chinesischen Truppen befanden sich auf dem RĂŒckzug. Daher war die japanische Regierung nicht mehr bereit, den Konflikt unter den zuvor genannten Bedingungen beizulegen, sondern stellte deutlich hĂ€rtere Forderungen, nĂ€mlich die Demilitarisierung Nordchinas und der Inneren Mongolei, die Zahlung einer EntschĂ€digung und den Aufbau von politischen Strukturen, die das Zusammenleben von Mandschukuo, Japan und China regeln sollten. Diese Bedingungen wies die chinesische Regierung zurĂŒck.

Um den 8. Dezember erreichten die japanischen Truppen Nanjing, die Hauptstadt der Kuomintang. Sie schlossen die Stadt ein und warfen FlugblĂ€tter ab, welche die Verteidiger zur Übergabe aufforderten. Die Japaner bombardierten Nanjing bei Tag und bei Nacht. Am 12. Dezember um 17 Uhr befahl der chinesische Stadtkommandant den RĂŒckzug der Truppen. Der RĂŒckzug verlief ungeordnet. Die Soldaten entledigten sich ihrer Waffen und Uniformen. Zum Teil ĂŒberfielen sie Zivilisten, um an zivile Kleidung zu gelangen. Die Panik ergriff auch die Bevölkerung, und so versuchten Soldaten und Zivilisten, zum Jangtsekiang zu fliehen. Dabei wurden sie sogar von eigenen Truppen beschossen. Am Jangtsekiang standen kaum Transportmittel zur VerfĂŒgung, so dass ein Abtransport der Truppen kaum möglich war. Bei den panischen Versuchen, die Boote zu besteigen, ertranken viele Menschen in dem kalten Fluss.

Am 13. Dezember besetzten die japanischen Truppen Nanjing. In dem darauf folgenden, drei Wochen andauernden Massaker von Nanking (nach Pinyin: „Massaker von Nanjing“) wurden vermutlich mehr als 300.000 chinesische Zivilisten und in Zivil gekleidete Soldaten ermordet. Chiang Kai-shek ließ den Regierungssitz vorlĂ€ufig nach Wuhan am Jangtsekiang verlegen.

Viele chinesische Kommandeure fĂŒrchteten einen Angriff der japanischen Truppen und rĂ€umten daher ihre Gebiete. Da die chinesische Industrie und das MilitĂ€r unterentwickelt waren und der BĂŒrgerkrieg eine einheitliche FĂŒhrung und Entwicklung unterdrĂŒckte, konnte die chinesische Armee die japanischen Truppen nicht in einer großen Feldschlacht angreifen. Stattdessen versuchte sie in der ersten Phase des Krieges, Industrie und große Truppenteile zu verlegen, um so StreitkrĂ€fte aufbauen zu können, mit denen sie den japanischen Truppen entgegentreten konnten. Mit kleineren Angriffen, HĂ€userkĂ€mpfen in den StĂ€dten und unter Ausnutzung des großen Gebietes wurde versucht, den Vormarsch der Japaner zu bremsen. Ab 1938 wurde die Taktik des magnetischen Krieges eingesetzt. Dabei sollten die japanischen Truppen an bestimmte Positionen (die als Magnet dienen sollten) gelockt werden, wo sie leichter angreifbar wĂ€ren oder wo zumindest ihr Vormarsch verlangsamt werden könnte.

Im Januar 1938 verkĂŒndete die japanische Regierung nach dem endgĂŒltigen Scheitern von Verhandlungen, dass sie die nationale chinesische Regierung auslöschen werde. Japan entschloss sich zu einer Offensive in Richtung Wuhan. Um diese Offensive zu ermöglichen, sollten zunĂ€chst die wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte im Norden erobert werden. Um die Stadt Xuzhou als wichtigen Knotenpunkt einnehmen zu können, versuchten die japanischen Soldaten zunĂ€chst, die chinesische Garnisonsstadt Tai’erzhuang zu erobern. Die chinesischen Truppen ließen die Japaner jedoch in eine Falle laufen und kesselten sie in der Schlacht um Tai’erzhuang ein. Nach chinesischen Angaben fielen etwa 30.000 japanische Soldaten. Dies war die erste grĂ¶ĂŸere Niederlage der Japaner in diesem Krieg. Zwar konnte die Stadt in einem zweiten Anlauf am 19. Mai erobert werden und auch die Schlacht um Xuzhou ging siegreich fĂŒr die Japaner aus, aber der Mythos von der Unbesiegbarkeit Japans war gebrochen. Die chinesischen Truppen hatten es versĂ€umt, den Überresten der japanischen Truppen nachzustellen, ansonsten hĂ€tte eine erneute Offensive gegen die StĂ€dte wohl noch lĂ€nger gedauert. Die japanische Regierung machte im April 1938 mobil und verstĂ€rkte ihre Truppen somit betrĂ€chtlich.

Am 9. Juni 1938 ließ Chiang Kai-shek die DĂ€mme des Gelben Flusses aufbrechen und das Land ĂŒberfluten. Er hoffte, dass dies den japanischen Vormarsch bremsen wĂŒrde. Am 11. Juni durchbrach der Gelbe Fluss seine Ufer zwischen Kaifeng und Zhengzhou und ergoss sich in der Folge in die Provinzen Henan, Anhui und Jiangsu, sein altes Flussbett suchend.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] Da die Zivilbevölkerung nicht gewarnt wurde, starben etwa 890.000 Chinesen, 4.000 Dörfer und 11 StĂ€dte wurden zerstört sowie etwa 12 Millionen Menschen obdachlos. Dadurch verĂ€nderte sich sogar der komplette Flussverlauf, bis die Deiche am 15. Mai 1947 repariert wurden. Die Überflutungen bewirkten aber eine monatelange Unterbrechung der japanischen Kampagne gegen Wuhan.

Am 25. Oktober eroberten die Japaner Wuhan unter großen Verlusten. Kurz darauf gelang die Eroberung Kantons, ohne auf grĂ¶ĂŸeren Widerstand zu stoßen. Der japanische Generalstab hatte gehofft, dass China sich nun geschlagen geben wĂŒrde. Diese Vorstellung war jedoch weit von der chinesischen Strategie entfernt. Da die Kapitulation nicht erfolgte, wurde den japanischen Strategen bewusst, dass der Krieg deutlich lĂ€nger als geplant andauern wĂŒrde. Neue chinesische Hauptstadt wurde das entfernte Chongqing. Chongqing stand jedoch nicht unter Kontrolle der KMT, sondern wurde von Bandenchefs beherrscht. Die Japaner bombardierten die Stadt ununterbrochen, bis die Chinesen mit sowjetischer Hilfe eine halbwegs effektive Luftabwehr einrichten konnten. Danach flogen sowjetische und chinesische Piloten sogar vereinzelte Gegenangriffe bis nach Taiwan.

Die Japaner hatten weder den Willen noch die Möglichkeiten, China zu verwalten. Deshalb setzten sie im MÀrz 1940 eine Marionettenregierung unter Wang Jingwei in Nanjing ein, um die japanischen Interessen zu vertreten. Wang Jingwei war zuvor Vizegeneral Chiang Kai-sheks gewesen, jedoch am 18. Dezember 1938 aus Chongqing geflohen. Angesichts der BrutalitÀt der Japaner war das Marionetten-Regime in der Bevölkerung extrem unpopulÀr.

Die kommunistische Partei unter Mao Zedong war 1935 vor der Kuomintang im Langen Marsch nach Yan’an geflohen und baute dort nun eine neue Basis auf. Im Gegensatz zu der ĂŒblichen kommunistischen Strategie schloss sie sich auch mit den Großgrundbesitzern und den MittelstĂ€ndlern zusammen. Milde Reformen trugen dazu bei, auch die arme Landbevölkerung auf die Seite der Kommunisten zu ziehen. Es wurde eine antijapanische UniversitĂ€t gegrĂŒndet, in der Maos Lehren unterrichtet wurden, aber auch eine militĂ€rische Ausbildung erfolgte. Die Kommunisten fĂŒhrten einen intensiven Guerilla-Krieg, auf den die Japaner mit der Zerstörung von Dörfern und der Tötung von Mitgliedern der kommunistischen Partei reagierten.

1938 verfĂŒgte die Kuomintang ĂŒber rund 600.000 bis 700.000 GuerillakĂ€mpfer. Die nationalistische Guerillabewegung war zentral von der Armee gelenkt und konzentrierte sich vor allem in Zentralchina. In Nordchina kam es auch vor, dass Truppen der dortigen Warlords diese Rolle ĂŒbernahmen.cite-ref-7[7]

1940 erreichten die KĂ€mpfe eine Pattsituation. Japan hielt den östlichen Teil Chinas besetzt und litt unter Guerilla-Attacken. Den Rest Chinas teilte sich die Kuomintang unter der FĂŒhrung von Chiang Kai-shek mit Mao Zedongs kommunistischer Partei.

1941 zerbrach die Einheitsfront, nachdem es immer wieder zu KĂ€mpfen zwischen Kuomintang und Kommunisten gekommen war. Die Japaner verfehlten indessen trotz der Eroberung Birmas und der Sperrung der Burmastraße nach Chongqing ihr Ziel, Chongqing vom Nachschub abzuschneiden. Zwar wurde eine nationalchinesische Gegenoffensive in Burma vereitelt, doch die Alliierten richteten stattdessen von Indien aus die Ledo-Straße nach Chongqing ein.

Am 13. April 1941 schloss Japan mit der Sowjetunion einen Friedens- und Freundschaftsvertrag, den japanisch-sowjetischen NeutralitĂ€tspakt. Japan war eher bereit, einen Krieg gegen die USA und das Vereinigte Königreich in Kauf zu nehmen, als auf die Rohstoffvorkommen SĂŒd-Indochinas zu verzichten.

Die USA blieben anfĂ€nglich neutral. Nach Berichten ĂŒber japanische Kriegsverbrechen wie dem Massaker von Nanking und dem Panay-Vorfall schlug die Stimmung in der Öffentlichkeit jedoch um. So konnte die US-Regierung ein Stahl- und Öl-Embargo gegen Japan verhĂ€ngen und die nationalchinesische Fraktion militĂ€risch unter anderem mit den Flying Tigers unterstĂŒtzen. Die Maßnahmen erfolgten auch aus geopolitischen und wirtschaftlichen GrĂŒnden, da die USA keinesfalls die Hegemonie Japans in Ostasien akzeptieren wollten. Ihre Interessen in China und auf den Philippinen waren direkt bedroht. Außerdem bedrohte eine japanische Vorherrschaft in Ostasien die dortige Position der europĂ€ischen KolonialmĂ€chte Großbritannien, Frankreich und Niederlande. Das Embargo machte es fĂŒr die Japaner unmöglich, ihre Aktionen in China fortzusetzen und fĂŒhrte in der Folge zum Angriff auf Pearl Harbor.

Nach diesem Angriff erklÀrten China und die USA Japan offiziell den Krieg. Dieser weitete sich nun auf den ganzen pazifischen Raum aus, da Japan gezwungen war, auch auf anderen KriegsschauplÀtzen zur Sicherung von Rohstoffquellen zu kÀmpfen.

Am 9. Dezember 1941 erfolgte die KriegserklĂ€rung Chinas an Deutschland, Italien und Japan. Bis dahin hatte China auf eine KriegserklĂ€rung verzichtet, weil dies Japan völkerrechtlich eine Blockade aller chinesischer HĂ€fen erlaubt hĂ€tte und somit die chinesische Versorgung auf dem Seeweg unterbrochen hĂ€tte und teilweise auch weil eine offizielle KriegserklĂ€rung wegen des US-amerikanischen NeutralitĂ€tsgesetze die amerikanische UnterstĂŒtzung gefĂ€hrdet hĂ€tte.cite-ref-8[8] Das von den Japanern in Nanjing eingesetzte Marionettenregime (Neuorganisierte Regierung der Republik China) unter Wang Jingwei erklĂ€rte 1943 seinerseits den USA und Großbritannien den Krieg. 1944 gingen die Japaner nochmals zur Offensive ĂŒber und schufen eine fragile Landverbindung zwischen ihren Eroberungen in Nord- und SĂŒdchina.

Der amerikanische General Joseph Stilwell, der in China gelebt hatte und daher Mandarin sprach, wurde der Kuomintang zur UnterstĂŒtzung zur Seite gestellt. Er versuchte, die nationalchinesische Armee neu zu organisieren. Erst 1945 begann eine nationalchinesische Gegenoffensive.

Kuomintang und Kommunisten gewannen zunehmend die Kontrolle ĂŒber die lĂ€ndlichen Gebiete, wĂ€hrend Japan die StĂ€dte und die Hauptverkehrswege an der OstkĂŒste besetzt hielt.

Am 8. August 1945 erklĂ€rte die Sowjetunion Japan den Krieg und marschierte mit ĂŒber einer Million Soldaten in die Mandschurei ein (siehe Operation Auguststurm).

Im Sommer 1945 gingen die Kriegsparteien davon aus, dass sich der Weltkrieg noch mindestens ein Jahr hinziehen wĂŒrde, bis die USA ihn durch den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki schlagartig beendeten. Japan kapitulierte am 15. August 1945; die japanischen Truppen in China ergaben sich offiziell am 9. September 1945 mit der Unterzeichnung des Kapitulationsvertrags in Nanjing. Zur Entwaffnung der Japaner waren bereits am 28. August nationalchinesische Truppen nach Birma und Indochina geschickt worden. Vietnam war nördlich des 16. Breitengrades bis 1946 von chinesischen Truppen besetzt.

Siehe auch

:

Chronologie des Pazifikkrieges

Internationale UnterstĂŒtzung

Die Beziehungen zwischen Deutschland und China waren vor dem Krieg sehr gut. Deutsche MilitĂ€rberater (beispielsweise Hans von Seeckt) unterstĂŒtzten die Modernisierung der chinesischen Armee und bildeten Truppen aus, welche die spĂ€teren Elitetruppen der chinesischen Armee wurden. Ein Großteil der Waffen wurde aus Deutschland importiert. Zu Beginn des Krieges hoffte China, dass Deutschland Japan Einhalt gebieten oder zumindest sich bemĂŒhen wĂŒrde, die militĂ€rischen Maßnahmen abzuschwĂ€chen. Das nationalsozialistische Deutschland hatte sich jedoch auf Japan als aussichtsreicheren BĂŒndnispartner festgelegt. So erkannte Deutschland Ende 1937 Mandschukuo als Staat an.

Siehe auch

:

Chinesisch-Deutsche Kooperation (1911–1941)

Die Sowjetunion unterstĂŒtzte die chinesischen Truppen, da sie die japanische Expansionspolitik in Asien fĂŒrchtete. So war Russland bereits 1904/1905 beim Russisch-Japanischen Krieg mit einer eigenen Expansionspolitik in Asien durch Japan abgewiesen worden. 1938 begann ein bewaffneter Grenzkonflikt in der Mandschurei zwischen Japan und der Sowjetunion. Selbst der nationalchinesischen Regierung der Kuomintang stellte die Sowjetunion Panzer, Flugzeuge und Piloten unter der Bedingung zur VerfĂŒgung, dass sie nicht gegen die Sowjetunion eingesetzt wĂŒrden. Von 1937 bis zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt 1939 lieferten die Sowjets ĂŒber eine LuftbrĂŒcke von Alma-Ata nach Lanzhou 985 Flugzeuge, 82 Panzer, 1317 GeschĂŒtze und vieles andere mehr. Bis 1940 waren unter dem Kommando von P. N. Anissimow 3665 Sowjetsoldaten unter anderem als Piloten, Bodenpersonal und bei der Luftabwehr im Einsatz. Die Sowjetunion unterstĂŒtzte auch auf politischer Ebene China und versuchte, im Völkerbund Sanktionen gegen Japan zu bewirken.

Großbritannien versuchte sich wegen der Probleme in Europa aus einem Konflikt mit Japan herauszuhalten. Die USA unterstĂŒtzen die Kuomintang ab 1941 militĂ€risch mit den Flying Tigers. Diese bildeten eine Einheit freiwilliger US-Piloten zur LuftunterstĂŒtzung chinesischer Truppen. Claire Chennault, ein Major a. D. des US Army Air Corps, leitete die Gruppe und rekrutierte 100 Piloten und 200 Mann Bodenpersonal von den US-StreitkrĂ€ften und besorgte 100 Curtiss-P-40-Kampfflugzeuge. Auch die Aufstellung einer Bombereinheit war geplant, wurde aber nach Pearl Harbor eingestellt.

WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges wurde China offiziell von den Alliierten unterstĂŒtzt und die USA errichteten Flugbasen auf chinesischem Gebiet, von denen aus spĂ€ter Japan bombardiert wurde. Die USA unterstĂŒtzten China von 1941 bis 1945 mit ĂŒber fĂŒnf Milliarden US-Dollar. Die BĂŒrgerkriegsparteien lagerten viele Waffen ein, da sie sich auf einen Entscheidungskampf im BĂŒrgerkrieg vorbereiteten.

Das US-Finanzministerium stand den Geldzahlungen wegen der hohen Korruption skeptisch gegenĂŒber; nur aufgrund Chiang Kai-sheks Drohung, einen Separatfrieden mit Japan abzuschließen, wurden die Zahlungen gewĂ€hrt.

Kriegsverbrechen

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Hauptartikel

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Japanische Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg

und

Liste japanischer Massaker in China

Die Japaner begingen wĂ€hrend der Besetzung Chinas schwere Kriegsverbrechen. Nach der Besetzung Nanjings kam es zu einem Massaker in der Stadt, bei dem nach SchĂ€tzungen bis zu 300.000 Menschen ermordet wurden. Es wurden Dörfer geplĂŒndert, um die Truppen zu ernĂ€hren, und auch niedergebrannt, vor allem in der Phase, als die Chinesen zum Guerillakrieg ĂŒbergingen.

Die Japaner zwangen Frauen aus China, Korea und weiteren LĂ€ndern, als Prostituierte in den Kriegsbordellen zu arbeiten. Diese Frauen wurden euphemistisch Trostfrauen genannt.

Mit der Einheit 731 unterhielt Japan eine Einrichtung fĂŒr die Forschung an biologischen und chemischen Waffen, die schwere Kriegsverbrechen beging. So wurden chinesische Kriegsgefangene und Zivilisten fĂŒr Menschenversuche missbraucht und biologische Waffen in mehreren FĂ€llen eingesetzt. Japan setzte auch Senfgas und Arsenverbindungen ein.

Opferzahlen und Folgen

Am 9. September 1945 kapitulierten die japanischen Einheiten in China, nachdem Japan bereits am 14. August 1945 kapituliert hatte.

So wie es die Alliierten im Friedensvertrag von San Francisco beschlossen hatten, fielen die Mandschurei zurĂŒck an China und Korea wurde ein unabhĂ€ngiger Staat. Außerdem verzichtete Japan auf seine AnsprĂŒche auf Taiwan und die Pescadores-Inseln. In den Dokumenten wird formell aber nicht erklĂ€rt, welche Nationen SouverĂ€nitĂ€t ĂŒber diese Gebiete erlangen sollen. Nur die Ryukyu-Inseln (heute Okinawa) erhielten nicht die versprochene UnabhĂ€ngigkeit zurĂŒck.

Die Kuomintang kĂ€mpften in 22 Schlachten, in denen auf jeder Seite mehr als 100.000 Soldaten beteiligt waren, und in ĂŒber 40.000 kleineren Gefechten, von denen in ĂŒber 1000 Gefechten auf jeder Seite ĂŒber 50.000 Soldaten beteiligt waren. Die Kommunisten vermieden grĂ¶ĂŸere KĂ€mpfe, um ihre KrĂ€fte fĂŒr einen vorhersehbaren Kampf um China gegen die Kuomintang zu schonen und zu vergrĂ¶ĂŸern; die meisten militĂ€rischen AktivitĂ€ten waren Guerilla-Angriffe in lĂ€ndlichen Gebieten, vor allem in Nord-China. Die einzige Ausnahme davon war die Hundert-Regimenter-Offensive, die ohne Zustimmung von Mao durchgefĂŒhrt wurde. Die Japaner hatten insgesamt ca. 1,1 Millionen Gefallene, Verletzte und Vermisste. Die Chinesen verloren 3,22 Millionen Soldaten, 9,13 Millionen Zivilisten starben bei KĂ€mpfen und 8,4 Millionen Zivilisten verloren ihr Leben bei nicht-militĂ€rischen ZwischenfĂ€llen. China erlitt einen finanziellen Schaden von 383 Milliarden US-Dollar; dies war mehr als das 50fache des Bruttosozialprodukts Japans zu dieser Zeit. Der Krieg verursachte eine Anzahl von 95 Millionen FlĂŒchtlingen. Vor dem Krieg war das KrĂ€fteverhĂ€ltnis 60:1 fĂŒr die Kuomintang gegen die Kommunisten, danach nur noch 3:1, was Zweifel an der kommunistischen Propaganda aufkommen lĂ€sst, die behauptet, dass die Japaner von den Kommunisten mit allen Mitteln bekĂ€mpft wurden.

Am 29. September 1972 wurde in Peking ein gemeinsames Kommuniqué von Japan und der Volksrepublik China unterzeichnet. Mit dem Kommuniqué wurden Beziehungen zwischen Japan und der VR China eröffnet und beide Staaten erklÀrten einen Verzicht auf Reparationen.

Der BĂŒrgerkrieg ging nach der Kapitulation Japans weiter. Viele Menschen starben in KĂ€mpfen oder an Hunger und unzureichenden LebensverhĂ€ltnissen, weil keine geregelte Verwaltung existierte.

Die Sowjetunion, die in Vereinbarung mit China im Jalta-Abkommen in die Mandschurei einmarschiert war, baute in den besetzten Gebieten massiv die Industrie ab und half der kommunistischen Partei, sich der zurĂŒckgelassenen Waffen der japanischen Truppen zu bedienen. Die kommunistische Partei war wĂ€hrend des Krieges von 100.000 Mitgliedern (1937) auf ĂŒber 1,2 Millionen (1945) angewachsen und konnte die Kuomintang bis 1949 auf dem Festland besiegen; die Kuomintang floh mit ihren AnhĂ€ngern nach Taiwan.

Bis heute gibt es in der chinesischen Bevölkerung tiefe anti-japanische Ressentiments. Dies ist unter anderem eine Folge der japanischen VergangenheitsbewÀltigung: So werden Kriegsverbrechen bis heute geleugnet oder heruntergespielt und beteiligte Einheiten mit Ehrenmahnmalen ausgezeichnet.

Im April 2005 kam es zu Ausschreitungen gegen japanische Einrichtungen, weil Japan SchulbĂŒcher einfĂŒhren wollte, die die japanischen Kriegsverbrechen als „Zwischenfall“ verharmlosten.

Einfluss auf Innenpolitik Japans und Militarisierung des Staates

Der Krieg, der jetzt nationsweite Mobilisierung verlangte, setzte politische UmwĂ€lzungsprozesse in Gang. So wurden das ElektrizitĂ€tsgeschĂ€ft verstaatlicht, flĂ€chendeckende, nationale Krankenversicherung eingefĂŒhrt, im Heer ein umfassendes Politikprogramm, Zehnjahresplan fĂŒr integrale Staatspolitik, erstellt und „Vereinigung zur UnterstĂŒtzung des kaiserlichen Systems“ (Taisei Yokusankai) gegrĂŒndet, wobei alle politischen Parteien sich auflösten.cite-ref-9[9]

Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur

Nach dem Sieg der Kommunisten im chinesischen BĂŒrgerkrieg sparte die offizielle Geschichtsschreibung der Volksrepublik China große Teile des Geschehens aus. Die Niederlage Japans wurde der FĂŒhrung Maos zugeschrieben. Der Beitrag der Nationalisten und Kommunisten außerhalb Maos Kontrolle wurde verschwiegen oder stark heruntergespielt. Die Opfer, welche die Bevölkerung unter nationalistischer Kontrolle erbracht hatte, wurden verschwiegen, unter anderem auch das Massaker von Nanking. Nach der Öffnung Chinas zum Westen und dem Tod von Mao und Chiang setzte sich eine liberale Linie der Geschichtsschreibung durch. Diese manifestierte sich in den 80er-Jahren zuerst in neuen staatlichen Museen. So wurde 1985 in Nanjing ein GedĂ€chtnismuseum fĂŒr das Massaker eingeweiht. 1986 kam mit Die große Schlacht von Taierzhuang (Xue zhan Taierzhuang) ein Film in die Kinos der Volksrepublik, welcher die Erfolge der Nationalisten thematisierte. Das Massaker von Nanjing wurde mehrmals filmisch verarbeitet. Ab den 1990ern wurde die Rolle der Nationalisten und auch der Kollaborateure mit Japan frei diskutiert. Ab dem 21. Jahrhundert wurden vor allem in Chongqing Erinnerungen an die Zeit als Hauptstadt im Krieg durch öffentliche Institutionen gefördert. So wurde auch Chiangs alter Landsitz nahe Chongqing restauriert und zum Museum ĂŒber Chiang umgewidmet.cite-ref-10[10]

In der westlichen, geschichtswissenschaftlichen Literatur setzte sich bis in die 1970er-Jahre die ErzĂ€hlung durch, dass die Nationalisten aufgrund Ignoranz, Korruption und politischer Unfreiheit dabei versagt hĂ€tten die Ressourcen Chinas trotz US-amerikanischer Hilfe ausreichend gegen Japan zu mobilisieren. Die Literatur des einundzwanzigsten Jahrhunderts hinterfragt dieses Geschichtsbild und beschreibt die Probleme der Kuomintang im Kontext einer ĂŒberwiegend agrarischen Gesellschaft, die sich gegen das industrialisierte Japan verteidigt.cite-ref-11[11]

KĂŒnstlerische Rezeption

‱ Die nach China geflĂŒchtete, österreichisch-jĂŒdische Autorin Susanne Wantoch handelt in ihrem Exilroman Nan Lu. Die Stadt der verschlungenen Wege (1948) vom Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg.cite-ref-12[12] Die Handlung kreist um die Studentenschaft einer chinesischen ProvinzuniversitĂ€t, die auf der Flucht vor den japanischen Besatzern BĂŒcher und Laborwerkzeuge mit sich fĂŒhrt, damit der UniversitĂ€tsbetrieb trotz der dramatischen VerhĂ€ltnisse nicht zum Stillstand kommt.
‱ Auf den Kriegsausbruch hinaus lĂ€uft auch die Handlung von Vicki Baums Roman Hotel Shanghai (1939).cite-ref-13[13] In dessen Mittelpunkt stehen die Schicksale von neun Menschen, die ĂŒber verschiedene Wege in einem noblen Hotel in Shanghai unterkommen, unmittelbar bevor die ersten Bomben auf die Stadt fallen.
‱ Das Drama Das zweite Gesicht (1942) von Mark Siegelberg spielt im besetzten Shanghai wĂ€hrend des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs. Die Handlung lĂ€uft zeitlich auf den Ausbruch des Pazifikkriegs nach dem Angriff auf Pearl Harbor vom 7. Dezember 1941 hinaus, als die USA, die bis dahin neutral gewesen waren, in den Krieg eintraten.cite-ref-14[14] Das bis heute unaufgefĂŒhrt gebliebene StĂŒck kreist um eine Gruppe auslĂ€ndischer Diplomaten und Journalisten, die sich in der antifaschistischen Propaganda engagiert. Die japanischen Besatzer gehen gewaltsam gegen die Dissidenten vor und verĂŒben ein Bombenattentat auf deren Rundfunkstation, dem einer der Journalisten zum Opfer fĂ€llt. Daraufhin werden die Journalisten aus SicherheitsgrĂŒnden aus Shanghai evakuiert, wĂ€hrend die politische Lage im Pazifik eskaliert. Im Finale verkĂŒndet die Stimme eines Hörfunksprechers die KriegserklĂ€rung der amerikanischen Regierung an Japan.
‱ Der Film John Rabe des deutschen Regisseurs Florian Gallenberger aus dem Jahr 2009 schildert, wie sich John Rabe fĂŒr die chinesische Bevölkerung in Nanking einsetzte.

Literatur

‱ Tomohide Ito: Militarismus des Zivilen in Japan 1937–1940: Diskurse und ihre Auswirkungen auf politische Entscheidungsprozesse. (= Reihe zur Geschichte Asiens. Bd. 19) Iudicium Verlag, MĂŒnchen 2019, ISBN 978-3-86205-220-2.
‱ Rana Mitter: China's War with Japan, 1937–1945: The Struggle for Survival. Penguin Books, London u. a. 2014, ISBN 978-0-14-103145-3.
‱ Rana Mitter: Forgotten Ally: China’s World War II, 1937–1945. Mariner Books, Boston 2014, ISBN 978-0-544-33450-2.
‱ Jonathan Fenby: Chiang Kai-Shek, China’s Generalissimo and the Nation He Lost. Carroll & Graf Publishers, New York 2004, ISBN 0-7867-1484-0.
‱ Peter Li (Hrsg.): Japanese War Crimes: The Search for Justice. Transaction Publishers, o. O. 2003, ISBN 0-7658-0890-0.
‱ Lloyd Eastman, Jerome Ch’en, Suzanne Pepper, Lyman P Van Slyke: Nationalist Era in China, 1927–1949. Cambridge University Press, Cambridge 1991, ISBN 0-521-38591-1.
‱ John King Fairbank, Albert Feuerwerke, Denis Twitchett: The Cambridge History of China: Volume 13 Republican China 1912–1949, Part 2. Cambridge University Press, Cambridge 1986, ISBN 0-521-24338-6.

Siehe auch
Weblinks

Commons

: Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikisource: Joint Communiqué of the Government of Japan and the Government of the People's Republic of China

– Quellen und Volltexte (englisch)

‱ worldwar2database.com – The Second Sino-Japanese War, 1931-1941 (englisch). Abgerufen am 9. August 2025
‱ worldwar2database.com – The Second Sino-Japanese War (englisch). Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 27. April 2014; abgerufen am 9. April 2020.
‱ chinadaily.com – War of resistance against Japanese invaders – Zeittafel (englisch)

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Takuma Melber: Pearl Harbor – Japans Angriff und der Kriegseintritt der USA. C. H. Beck, MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-406-69818-7, S. 14 (Inhaltsverzeichnis – Paperback).
cite-note-changjui-te20118391103f-22. ↑ Chang Jui-Te: The Nationalist Army on the Eve of the War. in Mark Peattie, Edward Drea, Hans van de Ven (Hrsg.): The Battle for China – Essays on the Military History of the Sino-Japanese War of 1937–1945. Stanford, 2011, S. 83–89, S. 103f
cite-note-mitsuru2011239-33. ↑ Hagiwara Mitsuru: The Japanese Air Campaigns in China 1937–1945. in Mark Peattie, Edward Drea, Hans van de Ven (Hrsg.): The Battle for China – Essays on the Military History of the Sino-Japanese War of 1937–1945. Stanford, 2011, S. 239.
cite-note-drea2011105119-44. ↑ Edward J. Drea: The Japanese Army on the Eve of the War. in Mark Peattie, Edward Drea, Hans van de Ven (Hrsg.): The Battle for China – Essays on the Military History of the Sino-Japanese War of 1937–1945. Stanford, 2011, S. 105–119.
cite-note-55. ↑ Sven Anders Hedin: Chiang Kai-Shek – Marshal of China. Read Books, 2008, ISBN 978-1-4437-2909-3, S. 177 (englisch, eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 8. Januar 2017]).
cite-note-66. ↑ Françoise Hauser, Volker HĂ€ring: China-Handbuch: Erkundungen im Reich der Mitte (= Trescher-Reihe Reisen). 1. Auflage. Trescher Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-89794-070-1, S. 194–195 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 8. Januar 2017]).
cite-note-77. ↑ S.C.M. Paine: The Wars for Asia – 1911–1948. Cambridge, 2012, S. 150.
cite-note-88. ↑ Akio Tsuchida: Declaring War as an Issue in Chinese Wartime Diplomacy. In: Negotiating China's Destiny in World War II. Hrsg.: Hans van de Ven, Diana Lary, and Stephen MacKinnon, Stanford University Press 2014, ISBN 978-0-8047-8966-0, S. 125 f.
cite-note-99. ↑ Tomohide Ito, Militarismus des Zivilen in Japan 1937–1940: Diskurse und ihre Auswirkungen auf politische Entscheidungsprozesse. (= Reihe zur Geschichte Asiens. Bd. 19) Iudicium Verlag, MĂŒnchen 2019, ISBN 978-3-86205-220-2.
cite-note-1010. ↑ Rana Mitter: China’s War with Japan 1937–1945 – The Struggle for Survival. London, 2014, S. 380–386.
cite-note-1111. ↑ Hans van de Ven: The Sino-Japanese War in History. in Mark Peattie, Edward Drea, Hans van de Ven (Hrsg.) The Battle for China - Essays on the Military History of the Sino-Japanese War of 1937-1945. Stanford, 2011, S. 448–451, S. 464–466
cite-note-1212. ↑ Susanne Wantoch: Nan Lu. Die Stadt der verschlungenen Wege. Eine ErzĂ€hlung aus dem China von heute. Wien 1948. Neuausgabe u.d.T. Nan Lu. Die Stadt der verschlungenen Wege, hg. und mit einem Nachw. von Tomas Sommadossi. Berlin 2018.
cite-note-1313. ↑ Vicki Baum: Hotel Shanghai. Amsterdam 1939. Neuausgabe Köln 2007.
cite-note-1414. ↑ Mark Siegelberg: Das zweite Gesicht / The Face of Pearl Harbor. German and English Parallel Text. Hg. von Tomas Sommadossi. MĂŒnchen 2017.